Australien: Letzte Tage in Downunder

Wir überquerten unsere erste Bundesstaatsgrenze in Australien. Es war irgendwie ein spezielles Gefühl. Wir waren jetzt doch schon etliche Kilometer unterwegs und haben uns so richtig an Western Australia gewöhnt. Nicht nur dass wir eine neue Zeitzone erreicht haben war speziell, sondern auch die Tatsache, dass wir nun etliche Kilometer Outback vor uns haben. Die Strecken sind einfach gigantisch.

 

Damit wir zwischen Darwin und Tennant Creek nicht zu viele doppelte Kilometer machen mussten, entschlossen wir uns nach dem Nitmiluk-Nationalpark in der Nähe von Kathrine auch noch den Kakadu-Nationalpark anzuschauen. Der Nitmiluk-Park lud zum Wandern ein und das war neben dem stundenlangen Autofahren eine nette Abwechslung. Den Kakadu-Nationalpark weiter nördlich fanden wir nicht wirklich überwältigend. Vielleicht lag es einfach auch daran, dass wir aufgrund unseres 2WD’s die besonders schönen Orte verpassten. Zum Glück aber haben wir als Entschädigung ein Riesen-Salzwasserkrokodil erspäht. Der Anblick war wirklich Angst-ein-flössend und wir waren froh, dass doch noch ein paar Meter zwischen uns und dem Krokodil lagen :-).

 

In Darwin hatten wir ein bisschen Schwierigkeiten einen Stellplatz zu finden, da gerade Pferderennen waren. Nach etlichen erfolglosen Versuchen fanden wir doch noch etwas. Einen dunklen Parkplatz im Industriegebiet. Ebenfalls wurde unser Gretchen durch gecheckt und im Grossen und Ganzen war alles iO. Lediglich der Öltank war und ist noch immer undicht. An zwei Stellen kann Öl ungehindert austreten. Eine davon, die wichtigere gemäss dem Mech, haben reparieren lassen. Leider tritt noch immer etwas Öl aus, aber die Reparatur ist einfach zu teuer, es lohnt nicht. Darwin selber hat uns nicht wirklich beeindruckt. Irgendwie war tote Hose und wirkliche Sehenswürdigkeiten gab es auch nicht. Insofern verbrachten wir entspannte Tage bevor es weiter Richtung Süden ging. Bevor das grosse Abenteuer Outback aber starten konnte, besuchten wir noch den Litchfield-Nationalpark. Dieser ist zwar einiges kleiner als der Kakadu-Nationalpark aber uns hat er wesentlich besser gefallen und zu allem ist dieser auch noch gratis. Der Kakadu hat doch pro Person 25 Dollar gekostet. Im Litchfield hat es viele Wasserfälle und auch einige einladende Swimmingholes. Wir haben in diesem Nationalpark so ziemlich jede Sehenswürdigkeit gesehen, in jedem Wasserloch geplantscht und jeden Walkingtrek gemacht. Der Park war einfach toll.

 

Nun hiess es Kilometer für Kilometer abspulen. Unseren nächsten nennenswerten Stopp hatten wir in Mount Isa. Wir hatten das Glück, dass gerade ein dreitägiges Rodeo stattfand. Dies wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und genossen die Atmosphäre und die Spannung. Wir zitterten mit und hatten immer wieder Mitleid mit den Tieren. Die Tiere (Stier und Pferd) werden ja nur so „wild“ , weil man ihnen die Genitalien für kurze Zeit mehr oder weniger abklemmt. Kein Wunder, dass diese am Durchdrehen sind ;-). Würde uns Männer ja auch nicht wirklich Spass bereiten (Dem einen mehr, dem anderen weniger). Die Fahrt durch das Outback war trotz der langen Dauer extrem spannend. Wir sahen Termitenhügel in allen Formen, Grössen und Farben. Ebenfalls konnten wir Kamele, Wildpferde, Emus, Kängurus und etliche weitere Tiere sehen. Das einzig Negative an der ganzen Fahrerei sind die Benzinkosten. Je tiefer man im Nichts unterwegs ist umso teuer wurde der Benzin. Glücklicherweise hatten wir noch unsere zwei 10L Reservekanister. Sie brachten uns um die ein oder andere teure Spritrechnung. Unsere Tage wurden vom Fahren geprägt und am Abend genossen wir die ruhige Atmosphäre. Meistens fanden wir im Outback einen gratis Stellplatz und somit wurden die Spritrechnungen etwas angenehmer da wir wussten, dass keine Übernachtungskosten dazukommen werden ;-).

Wir waren also auf dem Weg Richtung Cairns. Da wir aber nicht etliche Kilometer doppelt fahren wollten entschieden wir uns im Landesinnern Richtung Norden zu fahren und an der Küste danach Richtung Süden. Somit bogen wir bei Chapters Tower links ab. Plötzlich erkannten wir Australien kaum wieder. Es war einfach komplett anders als das was wir bis jetzt von Australien gesehen haben. Wir sahen wieder grüne saftige Wiesen. Wälder und Felder in Massen. Manchmal hatten wir das Gefühl wir seien in der Schweiz, denn Super-Gretchen musste doch den einen oder anderen „Pass“ bezwingen. Gretchen hat das super gemacht, obwohl wir manchmal doch ziemlich langsam unterwegs waren ;-). Das Gebiet nördlich von Cairns ist berühmt für seinen Regenwald, welcher teilweise bis direkt ans Meer reicht. Da uns diese Gegend so fasziniert hat fuhren wir weiter in den Norden ans Cape Tribulation. Es war wirklich schön den Regenwald und das Meer so nahe nebeneinander zu erleben. Die Strände waren super und hätten zum Baden eingeladen. Leider durfte man bei den meisten nicht baden, da die Gewässer vor dem Cape Tribulation von Salzwasserkrokodilen unsicher gemacht werden. Ebenfalls wäre dieses Gebiet eine super Möglichkeit um Cassowarys in der Wildnis zu sehen. Cassowarys sind grosse Vögel, welche ein Horn auf ihrem Kopg haben. Leider war es uns nicht gegönnt, dass uns einer über den Weg läuft. Wir verbrachten gut 3 Tage in dieser Gegend bevor es uns nach Cairns zog.

 

Cairns ist keine wirklich grosse Stadt aber man merkt schnell, dass Cairns für viele Backpacker Endstation ist. Es wimmelt von „Billig“-Reisebüros, Baren und Partyorganisatoren, welche es auf das junge Publikum abgesehen haben. Überall gab es Spezialangebote für Drinks, Partytouren etc. Wir merkten schnell, dass wir definitiv keine Städteliebhaber werden. Uns hat die einmalige Natur von Australien in den Bann gezogen und wir denken oft an unsere geniale Zeit in Western Australia und den Northern Territorys zurück. Nach kurzer Zeit verliessen wir Cairns und machten uns Richtung Brisbane auf. Und nein, wir waren nicht im Great Barrier Reef Schnorcheln. Die Touren waren uns einfach zu teuer und wir durften ja schon die wunderbare Unterwasserwelt im Nigaloo Reef bewundern. Somit stellte sich uns die Frage nicht wirklich lange ob wir nun Schnorcheln gehen oder nicht. Bei der Whale-Watching-Tour haben wir doch länger überlegt. Wir entschieden uns aber ebenfalls dagegen, da wir dies eigentlich in Hervey Bay machen wollten. Somit führt uns unser Weg immer weiter Richtung Süden….

Ob wir die Wahltour gemacht haben? Ou ja… das haben wir. Ob es uns gefallen hat? Aber ganz sicher! Es war ein tolles Erlebnis! Die Wale waren sehr neugierig und kamen uns zum Anfassen nah! Einige Wale wichen uns minutenlang nicht von der Seite und so konnten viele Speicherkarten gefüllt werden. Nach der Wal-Tour hat uns nicht mehr viel in Harvey Bay gehalten und wir fuhren weiter in Richtung Brisbane. Dieses Städtchen hat uns tatsächlich überrascht. Blumige Parks und wunderschöne Promenaden am Fluss entlang. Gratis Fähren um die Stadt vom Wasser aus zu entdecken, historische Gebäude eingebettet zwischen modernen Wolkenkratzern und zahlreichen Märkten mit allem was das Herz begehrt. Brisbane ist nicht zu gross und nicht zu klein!

Ab Brisbane konnte uns keine Stadt mehr wirklich begeistern, erst Sydney war wieder nach unseren Geschmack. Der Strand von Surfers Paradise war kilometerlang und die Wellen beängstigend hoch. Aber die Surfer blieben aus, nur ganz wenige Kite Surfer tollten im Wasser. Zum am Strand sonnen war es schier zu windig und in nur wenigen Sekunden war alles voller Sand.

Byron Bay ist ebenfalls für Surfer bekannt, aber wieder gab es nicht einmal eine Hand voll. Immerhin konnten wir wieder mal einige Wale vom Strand aus beobachten. Wir blieben etwa 3 Stunden und fuhren weiter. Irgendwie war Byron Bay nicht unsere Welt.

 

Sydney war bereits zum Greifen nah aber wir hatten noch etwas Zeit. Wir besuchten den Springbrook Nationalpark und machten die ein oder andere Wanderung. Und da ja Gretchen bald verkauft werden musste, wollten oder mussten wir sie auch noch ein bisschen verschönern. Kuhfänger, Stossstange, Spiegel und Scheibenwischer bekamen einen neuen Anstrich. Einige Tage später kam noch der lästige Teil. Die grossen Kleber an den Seiten waren teilweise schon abgelöst und vielerorts hat sich Rost ausgebreitet. Zentimeter für Zentimeter kratzen wir den verbleibenden Schriftzug ab, klebten einen Teil ab und schliffen den Lack ab. Drauf kam die schwarze Farbe. Fertig gemalt und gewaschen sah Gretchen wirklich vorzeigbar aus. Nur etwa 3 Tage nachdem wir in Sydney angekommen sind, konnten wir sie mit Gewinn verkaufen. Bye bye Gretchen!

 

Die Tage danach blieben wir auf dem Campingplatz und schliefen im Zelt von einigen deutschen Reisenden, die wir am Cape Tribulation im Norden getroffen haben. Danach gings ab zu unseren Host nach Glebe. Eine ganz lustige Truppe war das. Eine internationale, bunt gemischte WG. Wir fühlten uns pudelwohl und genossen die Zeit.

 

Dann kam unser Abstecher nach Neuseeland. Das war notwendig, weil unser Visa für Australien eine Woche vor unserem Flug nach Buenos Aires auslief. Wir hatten zwei Optionen. Entweder wir zahlen 290 AUD pro Person für eine Visaverlängerung oder wir zahlen 340 AUD für einen Flug, hin und zurück, nach Neuseeland. Die Antwort war klar und so machten wir einen 4-tägigen Ausflug nach Neuseeland.

 

Auch hier wurden wir wieder gehostet. Von Nick und Gerda in ihrem wunderschönen grossen Haus. Drinnen etliche Musikinstrumente und eine Katze, draussen Gänse, Hühner, Emu und ein Strauss. Die Zeit verging wie im Flug. Obwohl das Wetter grösstenteils wirklich mies war, störte es uns nicht. Auckland ist eh keine bemerkenswert schöne Stadt und zu Hause war es ja doch viel gemütlicher. Erst an unserem letzten Tag, als die Sonne raus kam, konnten wir uns Gerdas Auto leihen und PIHA Beach besuchen. Ein wirklich schöner Strand mit einem Löwen-förmigen Berg in der Mitte. Der Sand war ganz dunkel, teils blau-schwarz und der Wind zeichnete hübsche Übergänge zwischen hellem und dunklem Sand.

 

Wieder zurück in Sydney wurden wir bei Ewelina aus Polen aufgenommen. Und da kam wieder die typische polnische Gastfreundlichkeit zum Tragen. Obwohl wir sehr spät, erst gegen halb Elf Abends ankamen, hiess es: Esst was, ich hab extra für Euch Suppe gemacht. Wir mussten schmunzeln, kennen wir das doch irgendwo her :). Es war auch Ewelina die uns einen super Tipp gab und uns in den Royal Nationalpark schickte. Jedoch abseits der eigentlichen Wanderwege. Wir wanderten knapp 3 Stunden auf beeindruckend schönen Klippen. Das Gestein war mal weiss, dann beige, dann rot und dann wieder grau-schwarz. Ebenso zahlreich wie die Farben, waren die Formen. Das Highlight war definitiv der “Camembert“-Mountain. Ewelina hat die Klippe so getauft, weil das Gestein tatsächlich wie der Käse ausschaut. Form und Farbe sind identisch.

 

Der Tag des Abschieds kam… wir packten das erste Mal seit Monaten wieder bewusst unseren Rucksack und statteten Vladi aus der Glebe-WG noch einen Besuch ab. Von allen anderen haben wir uns bereits verabschiedet. Nur einige Stunden später stiegen wir in unseren 13-Stunden-Flug in Richtung Argentinien.

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