Australien: Mit Grenny durch den Westen

Wir konnten es kaum erwarten den australischen Boden zu betreten und bei Mc Donalds einen Burger zu bestellen, egal welchen, aber auf jeden Fall mit Rind. Nicht mit Hünchen und nicht mit Masala, nicht mit Curry und nicht mit Turmarik. Unsere Geschmacksknospen haben die letzten zwei Monate viel mitmachen müssen und freuten sich sehr auf simple Gewürze. Kaum war stand unser Flugzeug, eilten wir zum Gepäckband, holten unsere Rucksäcke. Dank unserer Freunde in der Schweiz waren wir schon im Besitz einiger australischer Dollar. Mit wässrigen Mündern spurteten wir auf zu den Restaurants im zweiten Stockwerk. Schock – WO IST MC DONALDS? WO IST UNSER BURGER MIT RIND? – Kein Mc Donalds, kein Rind… dafür ein Red Rooster und alles mit Hünchen. Die Enttäuschung war gross, aber was sollten wir machen. Ganz sicher würden wir in den nächsten Tagen einen finden. Gegen 9 am Abend kamen wir dann endlich bei unseren Hosts an. Sarah und Laurent sind ein super nettes Pärchen und reisen selber sehr viel. Wir quatschen endlos über diese und jene Erlebnisse in den bereisten Ländern, gingen fein essen und tranken Wein.

 

Alle sagen immer, wer nach Indien geht, erlebt einen Kulturschock. Bei uns war es aber anders. Nach 7 Monaten Asien und unseren ersten Begegnungen mit dem Hinduismus in Nepal, war Indien kein Schock mehr. Seltsame Gerüche, Dreck auf Strassen und chaotischer Verkehr waren uns längst vertraut. Dann aber, als wir in Australien angekommen sind, das war seltsam. Alles funktioniert, es ist sauber und gepflegt, alles ist organisiert, keine rumbrausenden Roller, geordneter Strassenverkehr, keine Tuks Tuks und keiner will uns was verkaufen, keiner macht Fotos von uns und keine sonderbaren Gerüche. Die ersten Tage begleitete uns ein seltsames Gefühl. Wir betrachteten Nichts als selbstverständlich und konnten die neu gewonnen Annehmlichkeiten anfänglich garnicht richtig geniessen oder fassen. Wir betrachteten Perth und die “1 Welt“ mit neuen Augen. Wie lange dieses Gefühl wohl anhält? Da wir ausser Perth (eine wirklich schöne Stadt) noch mehr von Australien sehen wollten, schauten wir uns einige Campervans an. Es ist wirklich praktisch, dass Australien, trotz der hohen Kosten, ein Backpackerland ist. Man findet unzählige Angebote von Campervans, die fast komplett ausgerüstet sind. Gaskocher, Geschirr, Atlas, Kühlschrank und und und. Wir entschieden uns für den blauen Toyota Hiance mit aufklappbaren Dach. Die Vorbesitzer waren ein junges CH-Pärchen, was die Verständigung einfacher machte. Obwohl wir das Auto eigentlich ziemlich lange angeschaut haben, fielen uns erst nach dem Kauf, diverse Mängel auf. Zum Glück keine wirklich Groben, aber auf die stossen wir vielleicht noch.

 

Bis auf einen, aus unserer Sicht, überhöhten Ölverbrauch bereitet uns unsere Grannie Blue, oder neu unser Gretchen, keine Sorgen. Im Gegenteil. Wir sind super froh, haben wir nicht eines der kleinen Campervans genommen, die hauptsächlich verkauft werden. In Ihr können wir stehend und kochen, bequem schlafen und das Bett sogar zu einer Couch umwandeln. Sie hat Schränkchen, einen Herd und Kühlschrank, es ist einfach wunderbar praktisch. Vor allem, wenn es mal draussen stürmt und du musst draussen mit dem Gaskocher dein Essen zu bereiten. Mit Gretchen können wir im Trocknen bleiben.

 

In Perth blieben wir einen Tag länger als geplant, wir wollten noch mehr von der Stadt sehen und fühlten uns bei unseren Hosts pudelwohl. Sie gaben uns viele viele Tipps für den Westen und so verliessen wir sie in Richtung kalten Süden. Obwohl wir ja Juni hatten, ist in Australien Winter (zumindest im Süden). Das bedeutet gebietsweise Temperaturen um die 10 bis 18° tagsüber. Hmm… dem zu folge, haben wir ja fast immer Winter in der Schweiz, oder nicht? Nach unseren letzten Sauna-Monaten in Indien, den üblichen 40 bis 50 Grad, mussten wir uns um gewöhnen. Tatsächlich packten wir die Sommersachen tiefer in den Rucksack und Pulli und Jeans kamen hervor.

 

Im Süden besuchten wir Pemberton, sahen unsere ersten Kängerus und erklimmten die zweithöhsten Bäume der Welt. Die Krone lag schwindelerregend hoch und für Joanna war auch nach dem zweiten Versuch nach knapp 7 Metern Schluss. Raphi dagegen, kletterte die Eisenstangen zackig hoch und verewigte die Aussicht auf einigen Fotos. Zurück am Auto, bemerkten wir bunte Papageien die, schlau wie sie sind, Menschen mit Futter verbinden.

Wir sassen bereits im Auto, als sie sich, garnicht scheu, auf unsere Seitenspiegel und die Motorhaube setzten und warteten. In sicherer Entfernung beobachten Kokaburra (Lachender Hans) die Situation. Tja, leider gab es Nichts, sie warteten umsonst.

 

Uns zog es weiter durch die grüne, von Bäumen gesäte, Margareth River Region. Berühmt für ihren Wein. Ein Weingut nach dem anderen und jedes bietet gratis Degustationen an. Da unsere gebuchte Weintour (Nebensaison) leider nicht statt fand, machten wir uns selber auf den Weg. Neben Wein gibt es noch viel anderen Schnick Schnack zu probieren, Honig, Balsamico, Öle und Schoggi. Ou ja…. da wären wir am liebsten geblieben… bei der Schoggi Firma alias Schlaraffenland.

Aber es gab ja noch Bier zu probieren. Die 5 Bierchen gab es nicht umsonst, vielleicht schmeckten sie uns deswegen auch nicht sonderlich.

 

Die Nächte im Süden konnten wirklich ungemütlich kalt werden. Es regnete und der Wind war eisig. Vor allem an der Küste. Das sollte im dürren Norden ganz anders werden.

Wir fuhren tagtäglich etliche Kilometer nördlich, das Ziel hiess Schark Bay, bzw. Monkey Mia. Natürlich mit einigen Zwischenstops wie z.B. die Pinnacle Desert.

In Monkey Mia werden am Morgen vor immer mehr Zuschauern, wilde Delphine gefüttert.

Als wir einige Tage später dort ankamen, sind wir am Abend am Strand spazieren gegangen und tatsächlich zeigten sich zwei Delphine, ganz nah am Ufer. Sie erhofften sich wohl die Fische der viel Sportangler.

 

Die eigentliche Fütterung sollte am nächsten Tag stattfinden, vor den Augen einiger Hundert Schaulustiger. Nur, die Delphine hatten keine grosse Lust. Da sie nicht mit Fischen geködert werden, kann es dauern bis der erste Fisch von Mensch an Delphin übergeht. An diesem Tag dauerte es lange und irgendwie wussten wir auch nicht, was wir davon halten sollen. Es heisst ja sonst immer: “Füttere keine wilden Tiere“. Diese Fütterung kam uns ein wenig vor, wie der Wolf im Schafspelz. Der Strand gehört zu den natürlichen Jagdplätzen dieser Delphine und man will das das so bleibt, wiederrum setzt man nen riesigen Caravanpark mit Restarant dahin und mal zahlt neben dem Caravanpark noch einen Extra Eintritt für dieses Gebiet. Geworben wird natürlich mit der Delphinfütterung und wer beobachtet diese putzigen Tierchen nicht mal gern aus der Nähe?

 

Auf dem Rückweg von Monkey Mia gab es viele tolle Aussichtspunkte und schön gelegene Campingplätze. Wir waren ganz nervös, als wir von einem Aussichtspunkt tatsächlich einen Hai erblickten. Er bewegte sich ganz langsam und geschmeidig, war wohl auf der Suche nach Futter. Die Nacht verbrachten wir an einem schönen kleinen und ruhigen Strandabschnitt. Eigentlich können wir garnicht mehr aufzählen, wie viele schöne Strände wir in Australien gesehen haben. Aber einige davon sind einfach “WOW“ – perfekt. Klares Wasser, weisser Sand, Fischlein, Möwen.. im Hintergrund die Wellen die sich am Riff brechen… die Sonne die im Meer untergeht und um einen herum die buntesten Papageien und Kakadus. Beachtenswert sind vor allem die Strände: Shell Beach (kein Badestrand, einfach nur schön), Turqouise Bay, Coral Bay, Sandy Bay und Eighty Mile Beach. Nummer Zwei bis Drei befinden sich am Ningaloo Riff, welches das Schönste in Australien sein soll, noch schöner und artenreicher als das bekannte “Great Barrier Reef“. Für uns hiess es jedenfalls: Baden im Meer, das erste Mal in Australien. Die Wassertemperatur war gewöhnungsbedürftig – kalt. Es dauerte einige Minuten bis wir im Wasser waren. Da Schnorcheln dummerweise am Land nicht funktioniert, durften wir nicht zimperlich sein. Es gab so viel zu entdecken, kleine Fischlein, grosse, bunte, gestreifte, gesprenkelte… Seesterne, Korallen und sogar einen quitschbunten Stachelrochen durften wir entdecken. Keine Ahnung, wie wir reagiert hätten, würde plötzlich ein Riffhai vor unseren Augen auftauchen. Schliesslich sind sie dort an der Tagesordnung.

 

Wir machten dafür eine andere tolle Sichtung, dies Mal vom Strand aus. Wir sassen einfach nur da und genossen die wärmende Sonne und das blaue Meer. Plötzlich, etwas weiter hinter dem Riff, vielleicht 400m entfernt sahen wir eine Wasserfontäne in die Höhe schiessen.. und noch eine und da…etwas Schwarzes und da auch wieder. Wale, da draussen schwammen tatsächlich Wale. Sie tauchten immer wieder auf und sprangen vergnügt in die Luft. Also bitte, dieser Tag war perfekt.

 

Zum Abschluss genossen wir einen Wein am “hauseigenen“ Strand und den Blick auf den romantischen Sonnenuntergang.

 

Der Morgen kam früh, dazu die neugierigen Kakadus, die über unser Dach spazierten und auf Futter hofften. Sie verfolgten jede Bewegung… der eine beobachtete Raphi beim Auspacken von Toast und der andere lief hin und her quer übers Dach um Futter bei Joanna zu erhaschen. Kein Glück gehabt bei uns, dafür beim Nachbarn.

 

Vor allem in diesem Nationalpark – Cape Range – haben wir viele Kängerus gesehen. Meistens Morgens oder Abends. Sie sind quasi überall, klein und gross und gucken ganz verdutzt hoch, sobald sie ein befremdliches Geräusch hören. Auch im Cape Range NP konnten wir die kleineren Rock-Wallabies beobachten. Etwas kleiner wie Kängerus, leben sie in den Felsen und bewegen sich sicher und anmutig wie Steinböcke. Hätten wir niemals erwartet.

 

Auf jeden Fall einen Abstecher wert, ist der Eighty Mile Beach zwischen Port Hedland und Broome. Gelangt man an diesen fantastischen Ort sieht man Kilometerweit zur Linken und zur Rechten nichts mehr als Strand. Das Strand fällt flach ab und das Meer spült laufend Muscheln ans Ufer. Der ganze Strand ist überseht mit den buntesten Muscheln.

 

Unser letzter Nationalpark in West Australien ist der Karijini Nationalpark. Berühmt für seine tiefen Schluchten, das tiefrote Gestein und die kristallklaren Flüsslein. Hier und da bildet sich ein Pool in dem man schwimmen kann, wenn man denn will. Das Wasser ist eisig und die Sonne gelangt nur kurz bis nach unten in die Schlucht. Aber es war toll, wir wanderten durch die Schluchten und badeten tatsächlich in einem der Pools.

 

Etwas fiel uns hier wieder extrem auf… wir wissen wirklich nicht wie das klappen soll. Wir Zwei sind ja schon gemütliche Wanderer und bleiben viel stehen um Fotos zu machen… Aber wie kann man für eine “Wanderung“ von 1600m (Rückweg eingeschlossen) zwei Stunden brauchen? Oder für das Erreichen des Aussichtspunkts in 100 m Entfernung eine halbe Stunde? Das finden wir doch schon etwas suspekt. Wir schmunzeln jedes Mal, wenn wir eine solche Zeitangabe an den Infotafeln finden.

 

Mittlerweile sind wir fast raus aus West Australien und betreten das “Northern Territory“. Es hätte auch hier Nahe Halls Creek einen schönen Nationalpark, aber 4WD ist Pflicht. Keine Chance mit unserem Campervan, leider.. schon wieder. Uns entgehen viele sehenswürdige Plätze und daher sind wir sicher, das nächste Mal Australien, gehen wir mit einem 4WD. Nicht desto trotz geniessen wir die bildschönen Landschaften, die Wildniss und die zum Baden einladenden Strände. Für Naturliebhaber wahrlich ein Traum.

 

Unser nächstes grosses Ziel ist Darwin! Für unser treues Gretchen wird’s Zeit, wir gönnen ihr einen Service und wollen das Ölproblem genauer anschauen. Schliesslich soll sie uns noch bis nach Brisbane bringen. Ausserdem verdient sie sich einen Waschtag. Die rote sandige Erde findet ihren Weg in jeden noch so kleinen Spalt.

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