Indien: Letzte Eindrücke

Von Jodphur aus sind wir mit dem Bus weiter nach Udaipur. Wir hatten einen Schlafbus gebucht und waren ziemlich überrascht von unserem Schlafabteil für Zwei, welches man sogar schliessen konnte. Wir kamen uns vor wie in einem Terrarium. Und auch, wenn der Schlafbus viel moderner ausgefallen ist, als angenommen, sind wir keine grossen Fans des Schlafbusses geworden. Die Klimaanlage kühlte den Raum auf Kühlschranktemperatur runter, die Strassen sind holprig und der Fahrer muss wieder mal ständig mit seiner tollen Hupe angeben. Da ist so eine Zugfahrt doch einiges erholsamer. Jedenfalls sind wir ziemlich früh in Udaipur angekommen und haben auch sehr schnell ein passendes hübsches Hotelzimmer gefunden. Aufgrund der Off-Season, war in Udaipur nicht viel los und wir hatten auch keine grosse Lust mehr auf Sightseeing. Vielleicht hat unsere wunderschöne Aussicht auf den See, den Königspalast und die Tempel auch ihren Beitrag dazu getan, mussten wir ja nur aus dem Fenster blicken um die meisten „Hots Spots“ zu erblicken. Jedenfalls genossen wir das pure Nichtstun. Die ersten Anzeichen des Monsums liessen auch noch die Temperaturen purzeln und dadurch war es angnehm warm. Einige Wochen zuvor gab uns jemand den Tipp in Indien unbedingt mal ins Kino zu gehen. Es würde sich lohnen, es wäre so ganz anders wie bei uns, wo alle still auf ihren Stühlen hocken. Wir kauften Tickets für Hangover 3 und bezahlten gerade mal 2 Franken pro Person. Der Film war klasse und wir lachten viel. Aber auch die Stimmung im Saal war genial, die Besucher waren total ausgelassen. Es wurde gejubelt, gelacht, mitgesungen und geklatscht.

 

Nach 3 Tagen Udaipur ging es schon wieder weiter nach Mumbai, das Bollywood Zentrum Indiens. Wir bemühten uns leider zu spät um einen Host in Mumbai und blieben die erste Nacht im Hotel, welches für das was es bietet, schlicht zu teuer war. Aber das ist leider normal in Mumbai. Kaum Budget Gästehäuser, sehr simple Zimmer, Gemeinschaftsbad und dann noch Wucherpreise (verglichen mit dem restlichen Indien). Während der Hotelsuche passierte es uns auch das erste Mal, das ein Inder wirklich sehr unfreundlich und respektlos wurde. Ein junger Schlepper, auf den wir nicht reingefallen sind, sah seine Kommission davon laufen und drehte kurzerhand durch. Er beschimpfte uns und liess uns wissen, dass er Ausländer eh nicht mag. Wenn wir schon in sein Land kommen, sollten wir ihn gefälligst unterstützen und und und.. Ja ja genau, nur wegen ihm sind wir in Indien.

 

Für die nächsten Tag hatten wir doch noch einen Host gefunden. Dave hat spontan zugesagt. Wir hatten wieder mal ins Schwarze getroffen, den Dave stellte sich als ein absolut toller und angenehmer Typ raus. Wir diskutierten, feierten, tanzten und lachten miteinander. Er verfügte auch über einen Koch, der fantastisch kochen kann und uns mit leckerem indischen Essen verwöhnte. Zur gleichen Zeit wohnte auch Julian, ein Student aus Deutschland bei Dave. Eines Tages beschlossen wir was trinken zu gehen und fuhren in einen nahegelegenen Club. Gegen 23 Uhr war Schicht im Schacht, die Musik wurde ausgemacht. Auch wir verliessen den Club. Anstatt nach Hause zu gehen landeteten wir in der Wohnung zweier fremder Inder, welche per Zufall zwei Couchsurfer aus England hosteten. Die Party ging dort weiter und es wurde sehr sehr heiter.

 

Obwohl es am nächsten Tag nicht allen gut ging, beschlossen wir eine Slum Tour zu machen. Wir gingen zum Treffpunkt und wurden von dem Mitarbeiter der dortigen NGO abgeholt. Der Guide führte uns fast 3 Stunden durch das berühmte Dharavi Slum in Zentral Mumbai. Dieses Slum kommt übrigens auch im berühmten Film „Slumdog Millionär“ vor. Es war sehr interessant, wir wussten gar nicht, das die Leute dort so produktiv sind. Es ist wie eine riesige Firma, Plastik wird recycelt, Lederartikel und Tontöpfe werden hergestellt, Kleider genäht und und und. Knapp 1 Million Menschen unterschiedlicher Religionen leben dort auf engem Raum. Sie wohnen in winzigen Häusern, knapp 10 Quadratmeter, manchmal bis zu 7 Personen und verdienen etwa 2.50 Franken am Tag. Je nach Beschäftigung.

Es war sehr eindrücklich und die Besichtigung absolut empfehlenswert!

 

Nach Mumbai ging es weiter in den Süden. Wir liessen Goa aus, da dort bereits der Monsun tobte und fuhren an die Ostküste. Nach langen 26 Stunden Zugfahrt landeten wir in Chennai. Das Bollywood von Tamil Nadu. Also, eine Schönheit ist diese Stadt nun wirklich nicht. Die Rikscha-, wie auch die Taxifahrer sind sehr dreist und verlangen horrende Preise. Um die Preise zu rechtfertigen wird einfach gelogen. So werden aus 2 Kilometer Entfernung schnell mal 20 Kilometer. Zum Glück lassen wir uns nicht veräppeln und trauen auch den Pre Paid-Schaltern nicht. Die stecken alle unter einer Decke und verlangen für 2.5 Kilometer ganze 150 Rupi. In Dehli oder Mumbai zahlt man vergleichsweise 30 Rupi. Dave gab us mal den Tipp, wenn ihr in Indien seit, benehmt euch wie Inder, dann werdet ihr weniger abgezockt. Wir stiegen in ein Rikscha ein, welches sich anfänglich mit unserem Preis zufrieden gab. Während der Fahrt stieg der Preis plötzlich, aber wir ignorierten ihn. Früher wären wir viel höflicher, hätten uns auf ein Gespräch und auf den Preis eingelassen (nach dem Motto „ Bei uns ists viel teurer“ oder wären ausgestiegen). Dieses Mal nicht. Warum sollen wir immer lieb und freundlich sein zu jemanden, der uns vornherein abzocken will? Das ist nämlich oft das Problem, Touris sind oft lieb und freundlich und das wird ausgenutzt. Das geht in Indien nicht, nicht immer zumindest. Als wir ausstiegen verlangte der Fahrer wieder nach mehr Geld, wir zahlten ihm den zuerst vereinbarten Preis, ignorierten ihn und gingen von Dannen. Ignorieren ist in Indien das Zauberwort. Sonst wird man vor allem als westlicher Touri permanent angesprochen.

 

So und nun wird es wirklich interessant, zumindest für uns. Der nächste Abschnitt könnte auch unter “Bogboo goes Bollywood“ laufen.

 

Am Abend klopft einer an unsere Tür und meint, sie bräuchten noch ein paar westliche Touris für einen Film. Gratis Essen und Trinken, Transport und 1000 Rupi oben drauf pro Person. Und was sollen wir machen? Nichts ausser mal im Hintergrund stehen, im Wasser plantschen oder am Strand die Sonne geniessen. Tönt gut dachten wir und sagten zu. Am nächsten Tag um sieben Uhr kam der Bus mit einigen anderen Touris und brachte uns an einen Strand. Dieser Strand war mehr eine Müllkippe und es stank stellenweise fürchterlich nach Fisch, aber die Filmcrew fand eine passende Stelle, die man sich zu recht reinigte.

 

Vor Ort haben wir auch Eva und Björn aus Deutschland getroffen. Zum Glück, sonst wäre der Tag sehr langweilig geworden. Wir warteten und warteten…frühstückten und assen zu Mittag, gingen zwischendurch ins tosende Meer baden und quatschen über sämtliches was uns in Indien gefällt oder nervt. Leider mussten wir hören, das die Zwei schon einige Male ziemlich übel abgezockt worden sind. Das ist wirklich schade, da man solche Erfahrungen mit nach Hause nimmt und sie weiter gibt. Den Indern ist das recht egal, sie leben für heute. Wenn sie dich heute abzocken, bist du dann eh weg und kommst morgen nicht. Das der Tourismus deswegen zurück geht und sie nächstes Jahr noch weniger Kunden haben, stört sie in dem Moment nicht.

 

Gegen 16 Uhr wurden wir das erste Mal gebraucht, bzw. nur die Männer. Raphael machte einen auf Handlanger für den angeblichen Fotografen. Er und Björn standen bis zu den Knien im Wasser. Björn hielt die Schirmlampe und Raphi die Stromleiste, welche tatsächlich unter Strom war (im Wasser stehend). Das Meer an der Ostküste ist derzeit sehr unruhig und immer wieder wurden sie von den hohen Wellen umgehauen. Irgenwann setzte auch der Regen ein und wir packten zusammen um im Bus zu warten. Das Wetter besserte sich für einige Minuten und regnete dann unaufhörlich weiter. Unser Drehtag, bzw. Raphis Drehtag, hatte ein Ende und wir wurden zurück ins Hotel gefahren.

 

Es ging weiter nach Mamallapuram. Wir waren froh Chennai zu verlassen, auch wegen den vielen unfreundlichen Rikschafahrern. Oft brummeln sie irgendwas unter der Nase was wir nicht verstehen und brüllen uns irgendwas auf indisch hinter her. Wir fühlten uns ganz einfach unwohl.

 

Auch die Sache mit dem Kleingeld nervte immer mehr. Nie hat man Wechselgeld und es wird erwartet, dass wir genau zahlen und wenn wir es nicht genau haben, sollen wir doch einfach auf Wechselgeld verzichten. In Mamallapuram ist ein Kellner etwas aus der Haut gefahren, weil Björn nicht auf das komplette Rückgeld verzichten wollte. Wenn ein Inder im Restaurant bezahlt, wird nicht 1 Sekunde diskutiert und es hat immer passendes Rückgeld. Generell werden Inder respektvoller behandelt. Wahrscheinlich ist es so, das man denkt, Touris sind eh zu freundlich und meckern weniger, die haben eh genug Geld. Ebenfalls werden den Touris oft die alten eingerissenen Geldnoten untergeschoben. Kein Inder würde die annehmen. Aber frische Touris wissen es ja nicht, für uns ist es Geld. Viele wissen nicht, dass ihnen keiner das Geld abnehmen wird, höchstens als Trinkgeld. Auch die angeblichen Kühlgebühren auf Getränke. Es handelt sich hier um kleine Beträge wie 2, 3 oder 5 Rupis. Auf allen Getränken oder verpackten Gütern stehen die Preise drauf, das ist der Höchstpreis, es darf nicht darüber verkauft werden, ausser im Restaurant oder Hotel. Die unwissenden Touris zahlen diese angebliche Kühlgebühr und so gehen immer wieder, hier und da, kleine Beträge flöten, die sich am Ende summieren. Wir versuchten Getränke passend zu bezahlen und so wird es schwieriger uns mehr abzuknöpfen.

 

Sowieso gibt es noch viele andere Möglichkeiten uns um unser Geld zu bringen, Getränke und Essen im Zug, Wäschereien, Obststände, Bustickets und natürlich Transport. Das ganze macht Indien leider langsam echt anstrengend, so schön das Land auch ist. Man muss immer auf der Hut sein, niemanden vertrauen, handeln und aufpassen. Viele Menschen sind sehr nett zu uns aber die Meisten von Ihnen wollen auch was dafür. Glücklicherweise gibt es auch Ausnahmen, aber durch die oft unschönen Erfahrungen ist es viel schwieriger diese Momente zu erleben da man immer mit einer gewissen Skepsis den Menschen gegenübertritt.

 

Wir verbrachten also noch 3 Tage in Mamallapuram bevor es mit dem Bus weiter nach Poducherry ging. Hier gibt es nicht viel zu sehen, ausser vielleicht die alten französischen Bauten und die Polizisten, die wie jene in Frankreich aussehen. Einen Tag später fuhren wir wieder ab. Als zweitletzte Station unserer Indienreise führte uns unser Weg nach Maduraj. Maduraj ist bekannt für seine riesige Tempelanlage inmitten der Stadt. Wir fanden ein super gelegenes Hotel, von welchem wir direkt auf die Tempelanlage sahen. Das war unser Pluspunkt, denn viele Souvernirhändler rund um den Tempel nutzen die Lage ihrer Shopps aus um Kunden mit ihrer Dachterasse anzulocken. Nach ausgiebigem Sightseeing in Maduraj führte uns unser Weg nach Kochi. Unser letzter Stopp auf dem indischen Subkontinent. Es regnete und regnete, hier war der Monsun Daheim. Für unsere letzten Tage in Kochi wollten wir uns ein richtig schönes Zimmer gönnen, was wir anfänglich nicht fanden. Desshalb fuhren wir mit der Fähre nach Fort Kochin und fanden dort ein fantatsisches Hotel mit super lieben Mitarbeitern. Man begrüsste uns mit einem süssen Lächeln und zeigte uns unser Zimmer. Wir haben noch nie so saubere Zimmer in Indien gesehen und das Zimmer verwöhnte uns mit jeder Menge Schnick Schnack und Kühlschrank. Genau der Kühlschrank war das worüber wir uns am Meisten freuten. Das hiess nämlich, wir müssen nicht mehr ins Restaurant :) 4 Tage genossen wir die verregnete aber schöne Gegend von Kochi, gingen am Strand spazieren oder ins Shopping Center oder sassen einfach im Zimmer, machten uns Sandwich, starrten in die viereckige Kiste, schwellgten in Erinnerungen oder heckten einen Plan für unser Abenteuer in Australien aus.

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