Indien: Welcome to icredible India

Unser Indienabendteuer begann eigentlich schon in Nepal. Bereits in Janakpur wurden wir darauf hingewiesen, dass dies eher Indien und nicht Nepal sei ;-). Wir dachten uns, wenn das so ist, dann kann Indien ja gar nicht so schlimm sein. Entweder haben wir uns bereits an all den Dreck und die speziellen Gerüche bereits gewöhnt oder die anderen haben einfach ein viel empfindlicheres „Sein“ als wir beide. Wir glauben aber eher an unsere erste These.

 

Unser erstes Ziel in Indien sollte eigentlich Darjeeling werden. Als wir aber erst am späten Nachmittag in der Grenzstadt Kakarbita (Nepal) ankamen entschieden wir uns dafür, dass wir im „Dorf“ Siliguri (Indien) übernachten werden. Der Grenzübertritt war ganz easy. Wir mussten lediglich die Beamten auf der nepalesischen Seite suchen um einen Ausreisestempel zu bekommen :-). Nach einigem Suchen und Herumfragen fand sich dann plötzlich auch der zuständige Beamte ein. Ausreisestempel in den Pass – Marsch über die Brücke – Suche des Immigration Office auf der indischen Seite – Einreisestempel. So lief unsere 11 Landesgrenzenüberquerung ab. Auf der indischen Seite mussten wir noch einige Formulare ausfüllen und dem netten Officer einige Fragen beantworten. Der Officer war sehr hilfsbereit und beantwortete alle unsere Fragen welche wir zur Anreise bis nach Darjeeling hatten. So waren wir schon mal „geschützt“ von Abzockern, welche es ja anscheinend wie Sand am Meer in Indien geben soll ;-).

 

Den Unterschied zu Nepal merkte man schnell. In Indien gibt es wohl kein Dorf wo es nicht von Menschen wimmelt. Wir fühlten uns wie in einem Ameisenhaufen als wir in Siliguri ankamen. Wir fanden schnell ein Zimmer und konnten danach bei einem gemütlichen Essen auf Joannas Geburtstag anstossen. Genau, richtig gelesen. Joanna feierte ihren Geburtstag in einem Bus welcher uns nach Indien brachte. Es gibt wahrlich schönere Geburtstagsevents. Das Essen war extrem lecker und Joanna fand bereits am ersten Tag ihr neues Lieblingsgericht in Indien: Malai Kofta!? Am nächsten Tag hiess es Ausschau halten nach einem Sammeltaxi nach Darjeeling. Wir wurden auch gleich belagert und einige wollten die „unwissenden Touristen“, welche wir dank dem freundlichen Immigration Officers nicht mehr waren, über den Tisch ziehen!? Als wir dann ein Taxi gefunden haben hiess es warten. Die Taxifahrer machen sich natürlich nur auf den Weg, wenn das Taxi auch voll ist. Nach gut einer Stunde war auch unser Taxi voll und wir nahmen die 3 stündige Fahrt nach Darjeeling in Angriff. Als wir ankamen ging es ein weiteres mal auf Zimmersuche. Da Darjeeling extrem hügelig ist, hiess dies für uns und unser Gepäck Hügel hoch und wieder runter. Leider meinte es das Wetter mit uns in Darjeeling nicht gut. Eigentlich wäre es die beste Zeit im Jahr gewesen um eine atemberaubende Aussicht zu haben. Wir wurden leider mit Nebel, Regen und Wolken „belohnt“. Nichts desto trotz hatten wir eine gute Zeit. Wir trafen unsere Trekkingbegleitung aus Nepal wieder und tranken oft zusammen Kaffe oder das einte oder andere Bierchen. Das absolute Highlight war aber das zufällige Treffen mit einer Einheimischen. Wir wollten eigentlich nur das tibetische Kloster besichtigen und verbrachten schlussendlich den ganzen Tag bei Suschila und tranken mit ihr zusammen Tee und plauderten über Gott und die Welt. Sie lud uns am nächsten Tag sogar zu selbstgemachten Momo’s ein. Somit gab es für uns noch ein ausgiebiges Frühstück bevor wir mit dem Zug weiter nach Varanasi reisten.

 

Unsere erste Zugfahrt in Indien verlief ohne Probleme. Unser Schlafwagen war sehr bequem und die Temperaturen in der Nacht waren zum Aushalten. Wir konnten nämlich nur noch Karten im Schlafwagen mit Ventilator ergattern. Uns wurden die beiden obersten Bette zugewiesen und somit konnten wir dem Treiben im Zuge von „oben“ zuschauen. Als Kopfkissen dienten uns unsere Rucksäcke da es sonst keine freien Stauraum mehr gab, was aber auch als sichere Variante gilt, mit seinem Gepäck am Ziel an zu kommen. Varanasi erreichten wir in den frühen Morgenstunden. Aufgrund der Tatsache, dass es aktuell Nebensaison ist, bekamen wir für wenig Geld ein gutes Zimmer. Im Nachhinein stellte es sich aber als Fehler heraus, dass wir auf eine Klimaanlage verzichteten. Da Varanasi von kleine Gassen durchzogen ist, gab es auch kein einziges Lüftchen. Somit wurde es extrem heiß. Varanasi ist bekannt für die rituellen Waschungen im Ganges und für die Leichenverbrennungen. In Varanasi werden pro Tag etwa 250 Leichen verbrennt. Dieses Prozedere kann man am Ufer des Ganges beobachten. Irgendwie war es für uns nicht so ergreifend wie gedacht. Da so viele Leichen verbrannt werden erinnert es mehr an eine „Fabrik“ als an eine Zeremonie oder Ritual. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die Tatsache, dass die Angehörigen bei der eigentlichen Verbrennung nicht anwesend sind. Die Verbrennungen in Pashupatinath (Nepal) waren für uns viel ergreiffender, da auch die ganze Familie anwesend war. In Varanasi sieht man auch viele alte Leute, welche extra zum Sterben nach Varanasi kommen. Dies hat damit zu tun, dass die Hindus glauben, wer in Varansi stirbt, der erlangt die sofortige Erlösung. Die meiste Zeit verbrachten wir mit Spazieren entlang des Ganges und den unzähligen Gaths (Verbrennungsplätze). Wir genossen die Zeit und konnten grossartig entspannen. Wasserbüffel wurden gewaschen und abgekühlt, Wäsche wurde gewaschen, Menschen badeten und fischten nach Wertsachen, die Atmosphäre war beruhigend und angenehm.

 

Unser nächster Stopp in Indien führte uns nach Agra. In Agra steht das berühmteste Wahrzeichen ganz Indiens und ein Besuch gehört wohl zum Pflichtprogramm bei einer Indienreise. DER TAJ MAHAL. Der Taj Mahal ist einfach nur WOW. Der Eintrittspreis für Touristen ist zwar im Vergleich zum Einheimischen Eintrittspreis extrem hoch (37.5 mal mehr), aber es lohnte sich trotzdem. Wir hüpften früh aus den Federn, damit wir den Touristenströmen und der Hitze entfliehen konnten. Morgens um 7 Uhr standen wir an der Kasse. Der erste Blick auf die volle Grösse ist umwerfend. Wir verbrachten gute 3 Stunden im Park und schlenderten durch die Parkanlage und bewunderten das einmalige Bauwerk. Manchmal setzten wir uns einfach auf eine Treppe und schauten wie gebannt auf den Taj. Leider hatten wir ein bisschen mit unserer Gesundheit zu kämpfen und somit verbrachten wir den Rest der Zeit mehrheitlich im kühlen Hotelzimmer. Diesmal haben wir ein Zimmer mit Klimaanlage gewählt ;-).

 

Nachdem wir Agra verlassen haben wartete auch schon die indische Hauptstadt New Delhi auf uns. Seit längerer Zeit haben wir uns wieder mal für die Übernachtungsvariante Couchsurfing entschieden. Unsere Gastgeber waren einfach nur der Hammer und wir verbrachten 4 super Tage in Delhi. Ein bisschen Sightseeing war natürlich auch noch angesagt. In Delhi spürten wir nochmal so richtig die Hitze. Wir tranken soviel Wasser wie noch nie in unserem Leben. Zu der normalen Hitze kamen zusätzlich die Abgase der unzähligen Rikschas und Autos dazu. Man spürte die Luft so richtig in der Lunge „kratzen“.

 

Nach einigen Tage der Hitze hiess es für uns nun endlich wieder mal „angenehme“ Temperaturen. Wir erfüllten uns einen kleinen Traum und sind für knapp eine Woche nach Ladakh gereist. Ladakh ist im Norden von Indien und wird vom Himalajagebirge umgeben. Bereits beim Anflug auf den Flughafen Leh merken wir sofort: das ist wieder ein total anderes Indien. Uns gefiel Leh und Ladakh auf den ersten Blick und wir kammen fast nicht mehr aus dem Staunen raus. Um die Umgeben von Leh so richtig erkunden zu können mieteten wir für 5 Tage eine „Royal Enfield“. Obwohl wir noch nie zuvor mit einem 350er Motorrad, noch Roller mit manueller Schaltung gefahren sind stürzten wir uns nach einer kurzen Probefahrt ins Abenteuer. Kurz gesagt: etwas Besseres hätte uns nicht passieren können. Wir genossen die Freiheit und den Fahrtwind als wir durch die unvergessliche Landschaften von Ladakh düsten. Wir besuchten wunderschöne tibetische Klöster und genossen die einmalige Natur. Wir wagten sogar die Passüberquerung zum Panong Tso. Dies ist ein See, welcher in einem benachbarten Tal liegt. Um den See zu besuchen muss aber zuerst der 5360 Meter hohe Chang La Pass überquert werden. Leider stellte sich dieser, zum Zeitpunkt unseres Versuches, als unüberwindbares Hinderniss heraus. Knapp 1 km vor dem Pass war die Strasse noch voller Schnee, Matsch und Schlamm. Selbst 4×4 Autos hatten ihre Mühe. Wir, mit unserem Motorrad und unserer Erfahrung von 3 Tagen hatten keine Chance. Wir brachten das Motorrad zurück und buchten seit langem wieder mal eine Tour um den See trotzdem sehen zu können. Wir entschieden uns für die 2tägige Variante und wir bereuen keine Minute. Übernachtet haben wir bei einem alten ladhakischen Ehepaar. Der See ist sehr speziell, da er ein Salzwassersee ist. Dies musste natürlich auch mit einem kleinen Schluck getestet werden und Ja, es ist ein Salzwassersee, pfui,pfui. Ebenfalls gehört ein Teil des Sees zu Tibet. Somit ist es nicht möglich den ganzen See zu besichtigen. Als wir ankamen war es leicht bewölkt und der See zeigte noch nicht seine wahre Schönheit. Erst am nächsten Morgen, als der Himmel wolkenlos war zeigte er sein wahres Gesicht. Es war atemberaubend. Das Wasser schimmerte in allen Farben. Wir spazierte gut 2 Stunden am See entlang und genossen jede Minute bis wir uns wieder auf die 6stündige Heimfahrt machen mussten. Die restliche Zeit in Ladakh verging wie im Fluge und wir machten uns wieder auf den Weg nach Delhi.

 

Eigentlich hätten wir auch bei unserem zweiten Besuch in Delhi eine Platz bei einem Couchsurfer gehabt. Leider ging da was schief und wir verbrachten die erste Nacht in einem Guesthouse im Touriviertel von Delhi. Wir wollten unbedingt nochmal Rischi und Jonna treffen (unsere ersten Gastgeber in Delhi) und so verabredeten wir uns für einen gemütlichen Abend. Als sie unser „Unglück“ mit dem anderen Typen hörten luden sie uns spontan wieder zu sich nach Hause ein und so verbrachten wir nochmals 2 wunderbare Tage bei ihnen und ihrem süssen Hund Pepper. Neue Freunde haben wir mit ihnen gewonnen und werden sie hoffentlich irgendwann mal wieder sehen!

 

Vor unserem nächsten Stopp warnten uns alle Inder mit denen wir Kontakt hatten: Jaisalmer in der Wüste Thar. Wir wurden nicht wegen den Menschen oder ähnlichem gewarnt sondern von der unerträglichen Hitze welche zu dieser Zeit in ganz Rajasthan herrscht. Naja, für uns gab es keine andere Option. Schliesslich sind wir jetzt in Indien und somit machen wir das Beste daraus. Schlussendlich hatten wir Glück und die Hitze war relativ erträglich. Den ganzen Tag wehte ein kleiner Wind und in der Nacht hatten wir die Fenster geöffnet und somit herrschte ein kleiner aber sehr angenehmer „Durchzug“. Jaisalmer war wie ausgestorben, zumindest was Touristen angeht. Viele Shopps, Restaurants und auch Gasthäuser hatten gar nicht offen. Wir übernachteten direkt im Fort und somit hatten wir eine unglaubliche Aussicht auf die Stadt. Natürlich wollten wir auch eine Kamelsafari machen und somit machtenuns auf den Weg um die Angebote der einzelnen Travelagencys zu vergleichen. Vor unserer letzten Station bei der Recherche trafen wir auf einen Mann, welcher uns spontan zu einem Tee einladen wollte. Wir schauten uns an und hatten beide sofort ein gutes Gefühl. Somit willigten wir ein und verbrachten schlussendlich den ganzen Abend bei Soukharan und seiner Familie. Wir wurden sogar zum Abendessen eingeladen und natürlich mussten wir (vorallem Joanna) mit jensten Freunden von der Familie telefonieren. Es scheinte als ob Soukharan mächtig stolz war, dass bei ihm zwei Westler den Abend verbrachten :-). Ja, und die Kamelsafari haben wir auch noch gemacht. Es war nicht wirklich was Spezielles, wir haben uns beide was anderes unter eine Wüstensafari vorgestellt. Etwa viele Sanddünen und Einsamkeit. Es ist halt schon nicht so romantisch und Natur pur, wenn man links und rechts am Horizont immer Windräder und Strommasten sieht und die vorgefundenen Sanddünen, waren wohl auch in der Off-Season, ziemlich abgespeckt hatten die. Das Übernachten in der Wüste und das Essen welches am Lagerfeuer zubereitet wurde war trotzdem ein schönes Erlebnis, aber ein zweites Mal würden wir es sicherlich nicht mehr mitmachen.

 

Nach unserem Abstecher nach Jaisalmer haben wir unsere Ost-West-Durchquerung abgeschlossen und wir machten uns langsam Richtung Südindien auf. Nächster Halt: Jodhpur. Jodhpur ist immer noch im Bundestaat Rajasthan und ist berühmt für sein imposantes Fort. Jodhpur wird auch als die blaue Stadt bezeichnet. Das Mehrangarh Fort ist riesig und man hat einen grandiosen Blick auf die Stadt mit ihren blauen Häusern. Beim Eintrittspreis zum Fort ist sogar eine Audio-Tour dabei, welche die Geschichte und die Eigenheiten des Forts dem Besucher näher bringt. Wir verbrachten gut und gerne 3 Stunden im Fort und liessen die Eindrücke auf uns wirken. Natürlich haben wir nicht nur das Fort angeschaut, aber dies war das Highlight eines jeden Jodhpurbesuches. Aber auch hier gilt das Gleiche wir für den Resten von Rajasthan und ganz Indien: Touristen findet man nicht viele und das ist auch gut so!? So können wir vielleicht ein bisschen mehr vom wahren Indien erleben und werden nicht vom touristisch-orientierten Indien vereinnahmt. Die Hitze hat also auch sein Gutes und wir können die Reisezeit trotz der Hitze nur empfehlen. Die Inder sind uns bisher sehr freundlich begegnet, sie helfen uns gerne weiter, grüssen uns von Weitem und lassen sich tierisch gern fotografieren, mit oder ohne uns. Natürlich muss man hier und dort, nicht alles glauben und nochmal nachzählen, aber entweder sind die Inder bisher zu faul um uns grossartig zu veräppeln oder sie sind wahnsinnig gut darin und wir merken es nicht.

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